Experteninterview

Vertrauen in die Cloud

Dr. Tobias Höllwarth ist seit über 20 Jahren als Berater mit den Schwerpunkten IT-Strategie,
IT-Services und Cloud-Sourcing tätig. Wir sprechen mit ihm über Chancen und Risiken von Cloud-Lösungen.


GeoNews: Herr Dr. Höllwarth, können Sie uns kurz Ihr Leistungsangebot beschreiben?

Dr. Tobias Höllwarth: Höllwarth Consulting ist traditionell aufgestellt: IT-Projekte, IT-Ausschreibungen und Managed Services. Sourcing International leistet neue Services: Cloud Consulting, digitale Transformation sowie DSGVO-Compliance.


Wer sind die typischen Kunden Ihres Beratungsunternehmens?

Managed Services liefern wir ausschließlich an KMUs in sämtlichen Branchen. IT-Ausschreibungen führen wir für mittelständische und große Unternehmen durch. Im Bereich Cloud und digitaler Transformation sind wir derzeit nur im Mittelstand unterwegs, in Bezug auf

DSGVO-Compliance auch bei Großkunden.

 

Warum die Spezialisierung auf das Thema „Cloud“? Was ist Ihre Motivation?
Wenn man die aktuellen Veränderungen in sämtlichen Berufsgruppen als Teil einer sehr rasch voranschreitenden industriellen Revolution erkennt, dann versteht man die Cloud als die Dampfmaschine, die diese Veränderung repräsentiert. Cloud liefert KMUs eine Produktions-ressource, zu der sie bisher keinen Zugang hatten, und das eröffnet ein Vielzahl spannender Optionen und Herausforderungen, die noch immer unterschätzt werden.

Sie sind Gründungsmitglied von EuroCloud Austria und Präsident von EuroCloud Europa. Was kann man sich darunter vorstellen und was ist Ziel dieser Organisation?
EuroCloud ist eine anbieterneutrale europäische Organisation, die laut Statuten vollkommen non-profit agieren muss. EuroCloud will Organisationen einen effizienteren Zugang zu und eine bessere Nutzung von qualitativ hochwertigen und vertrauenswürdigen Cloud Services in Europa ermöglichen. Daher unterstützen wir EU-Programme, Lehr- und Forschungseinrichtungen, Cloud-Anbieter ebenso wie Cloud-Nutzer. Und zwar unabhängig davon, ob es Organisationen aus Europa sind oder solche, die am europäischen Markt anbieten wollen.

Auf Qualität, Fairness und Transparenz kommt es an. Nur so kann Europa von diesen neuen technologischen Optionen wirklich profitieren.


Warum glauben Sie herrscht in Unternehmen ein gewisses Unwohlsein beim Thema „Daten in der Cloud“? Teilen Sie diese Wahrnehmung auch?
Das Unwohlsein besteht – und es besteht zu Recht, und zwar aus einer Reihe von Gründen. Einmal wohl deshalb, weil sich am Cloud-Markt Oligopole bilden: einige wenige, sehr mächtige Anbieter, die Markt, Produkte, Technologie und Preis dominieren. Oligopole sind nicht gut für den gesamten Markt. Unwohlsein entsteht auch, weil viele Anbieter erstaunlich hartnäckig auf ihrer Intransparenz bestehen. Das verhindert Vertrauen. Und nicht zuletzt entsteht Unsicherheit auch wegen der Überforderung auf Seiten der Cloud-Nutzer. Es fehlt praktisch an jeder Ecke an geeigneten Ressourcen und passendem Know-how.

Was sind falsche Mythen rund um die Cloud, und wie kann man diese Diskussion versachlichen, um den Menschen diese Angst zu nehmen?
Cloud ist besser, Cloud ist schlechter, Cloud ist billiger, Cloud ist teurer. Cloud ist sicher. Cloud ist unsicher. Cloud kann nicht allgemeingültig beurteilt werden. Wer das nicht verstanden hat, wird immer falsch liegen.


Wie sehen Sie das Thema „Public Cloud“ versus „Private Cloud“ in großen Unternehmen bzw. in der öffentlichen Verwaltung?
Wer sich traditionelles Outsourcing bzw. Managed Services leisten kann, der kann sich auch eine Private Cloud leisten. Das ist nämlich letztlich dasselbe. Unternehmen, denen solche Services weder unternehmensintern noch outgesourced zur Verfügung stehen oder die sich diese so nicht leisten können, müssen darauf verzichten. Oder – wenn sie in den Genuss der Economies of Scale von Cloud Services großer Cloud-Anbieter kommen wollen – müssen sie diese Services aus der Cloud beziehen. Das ist im Kern einer der wichtigsten Vorteile der Cloud: Sie ermöglicht den Zugang zu einer Produktionsressource, zu der Unternehmen bisher gar keinen Zugang hatten oder der zu teuer war.  
… und wie sieht das für Klein- und Mittelbetriebe aus?
Genau gleich. Die Attraktivität der Public Cloud liegt gerade im kostengünstigen Zugang zu Produktionsressourcen, den man so bisher nicht hatte. Das schafft Flexibilität, Wettbewerbsvorteil und Innovationskraft.

Welche objektiven Vor- und Nachteile einer Public-Cloud-Lösung gibt es Ihrer Meinung nach?
Public-Cloud-Lösungen sind industriell gefertigte, standardisierte Produkte mit standardisierten Services Levels und Verträgen. Das engt stark ein und zwingt den Cloud-Kunden, zu nehmen oder es zu lassen. Aber ein gutes, hochstandardisiertes, industriell gefertigtes IT-Service liefert meist auch Produkte und Services mit herausragenden Eigenschaften zu sensationellen Kosten. Das ist der Anspruch an die Cloud.


Wie kann man wissen, ob man eine Cloud einsetzen kann?
Will man Cloud Services einsetzen, dann stellt sich immer eine zentrale Frage: „Ist dieses Service das richtige für mein Unternehmen, zum jetzigen Zeitpunkt, für meinen aktuellen Use Case?“ Diese Frage muss unter neun Gesichtspunkten geprüft werden: Anbietertransparenz, technische Sicherheit, Rechenzentrumsbetrieb, Prozessreife, rechtliche Sicherheit/Compliance sowie DSGVO, technischer Betrieb, Funktionalität und Preis.


Sie beraten hauptsächlich große Unternehmen – gilt das auch für KMUs?
Es sind haargenau die gleichen Fragen und die gleichen Herausforderungen, die es zu beantworten gilt.


Was sind Ihrer Meinung nach die nächsten großen Schritte und Tendenzen im Cloud-Bereich?
Die Integration von einer Vielzahl an Cloud Services in die Kernbereiche der unternehmerischen Leistungen – in allen Unternehmensfunktionen. Es wird zu einem Multi-Sourcing in eine hybride IT-Welt kommen. Dies zu bewältigen ist extrem anspruchsvoll und benötigt tiefgehendes Know-how in einer Reihe von Wissensbereichen und sehr viel Erfahrung.


Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Susanne Friedl-Steiner

Dr. Tobias Höllwarth (Bild rechts)
Sourcing-International.org, Wien

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